IBM (International Business Machines)

Die folgenden Zeilen betreffen Vorgänge in der IT-Industrie in der Vergangenheit, heute ist bekanntlich alles ganz anders.

Es liegt alles schon sehr lange zurück:

 

Die IBM dominierte u.a. durch ein sehr smartes Marketing und einen gut geführten Vertrieb Anfang der 80er Jahre die IT-Industrie derart, dass die 10 nachfolgenden Wettbewerber-Unternehmen zusammengenommen nicht einmal den Umsatz der übermächtigen IBM erreichten.

 

Auf dem Gipfelpunkt (natürlich brachte der Spiegel eine Titelstory) sah es wohl für viele so aus, als gäbe es gar keine wirtschaftlichen und technologischen IT-Alternativen, obwohl gut orientierte IT-Kunden, diese längst sehr gewinnbringend einsetzten.

 

Von diesen Alternativen (UNIX, PC, Peer to Peer Netzwerke, TCP/IP, Ethernet, Relationale Datenbanksysteme, PCM) wollten die allermeisten Kunden der IBM nichts wissen, sondern setzten auf Bewährtes, technologisch Überholtes muss man heute sagen.

 

 

Die Symbiosen der IBM

Viele Unternehmen vertrauten IBM blindlings und deren IT-Leiter hatten eine sehr enge, symbiotische Beziehung zu "Mother Blue".

 

Sie hatten auf IBM-Rechnern im Studium Programmieren gelernt und waren damit vertraut (guter Schachzug von IBM, den Universitäten Rechner zu Vorzugskonditionen oder gleich ganz kostenlos ihre Systeme zur Verfügung zu stellen).

 

EDV-Leiter, wie sie damals genannt wurden, besuchten regelmäßig IBM-Seminare in IBM-Schulungszentren und wurden auf IBM-Kosten auf Lustreisen an exotische Destinationen in aller Welt zum Dank dafür eingeladen, dass sie der IBM-Linie treu blieben.

 

Das Schmieren und das Geschacher um die Vergünstigungen überdeckte gelegentlich die eigentlichen Gespräche in Ausschreibungen. IT-Leiter der IBM überließen dem IBM-Vertriebsbeauftragten häufig die Erarbeitung der Vorstandsvorlagen für den Kauf weiterer Rechner und wichen nicht einen Zentimeter vom vorgegebenen IBM-Kurs ab.

 

Bei der IT-Konkurrenz hießen solche Kunden abfällig "IBM-Shop", weil diese Unternehmen blind alles kauften, was aus dem Hause IBM kam.

 

Karstadt war in den 80er Jahren so ein IBM-Shop, der sich nicht einmal entblödete, regelmäßig in aller Öffentlichkeit seine neuesten Errungenschaften von IBM im Lokalteil der WAZ mit Bild des EDV-Leiters und des IBM-Vertriebsbeauftragen, sowie Jubelmeldung mit ausführlichem Bericht zu feiern. 

 

Aus dieser Zeit stammt der Satz: "Es ist noch nie ein IT-Leiter gefeuert worden, weil er sich für IBM entschieden hat."  Diese Dominanz der IBM war nirgendwo auf der Welt stärker als in Deutschland, wo sogar Mega-Flops der IBM wie PS/2 und IBM 8100 vor allem von Banken und Versicherungen (z.B. die Barmer Ersatzkasse in Wuppertal) wurden.

 

Können 1000 Fliegen irren?

 

Auf die kritische Frage eines Journalisten während der Nixdorf Pressekonferenz, die die erfreulichen Nixdorf Geschäftsergebnisse des Jahres 1984 auf der CeBit in Hannover vorstellte , ob es denn nicht eine technologische Überlegenheit ausdrücke, dass die Rechner (damals vor allem: Mainframes, große Zentralrechner) des Konkurrenten IBM weltweit von Kunden deutlich bevorzugt werden, ist eine legendäre Metapher von dem knorrigen Heinz Nixdorf, dem deutschen Computer-Pionier als Antwort überliefert:

 

"Lieber Mann. Können 1.000 Fliegen irren? Sie alle fliegen alle zum Sch...haus!"

 

Der brechend volle Saal bricht in homerisches Gelächter aus. Die anwesenden Journalisten und der Vorstand der Nixdorf Computer AG können sich erst nach Minuten beruhigen.