Google+ Communities: Neues Leben für den Friedhof

Mit einem neuen Feature will Google sein als „Geisterstadt“ geschmähtes Google+ beleben und Facebook Konkurrenz machen. Was ist von Google+ Communities zu halten?

Der Nutzen für Google

Google braucht das neue Feature dringend, wie Vizepräsident Vic Gundotra vor dem Launch im Dezember erklärte: So konnte Google+ in den 18 Monaten seinen Bestehens zwar 500 Millionen registrierte Nutzer für sich gewinnen, halb so viel wie Facebook, sie aber bisher noch nicht zu größeren Aktivitäten oder zu längerem Verweilen auf dieser Plattform bewegen, was ihr deshalb den Ruf einer „Geisterstadt“ eintrug.

 

Lediglich knapp die Hälfte, d.h.235 Millionen Nutzer sind überhaupt aktiv, etwa indem sie Google-Play-Angebote nutzen, ihre Suchergebnisse öffentlich verfügbar machen oder Gmail anwenden, sich also auch auf anderen Plattformen bewegen.

 

Aktiv im engeren Sinne sind nach Angaben von Google immerhin 135 Millionen User, die auf dieser Plattform auch Beiträge posten- immerhin ein Steigerung um 35 Prozent allein im 4. Quartal 2012.

 

So richtig zum Verweilen schien die Seite jedoch bisher nicht eingeladen zu haben und da liegt sozusagen der Hund begraben, der die Google-Macher zum Handeln zwang: denn das entscheidende Kriterium für den Erfolg eines sozialen Netzwerkes ist neben den reinen Nutzerzahlen die Verweildauer und da kann Facebook richtig punkten: Denn während die gesamte Verweildauer auf Google+ inklusive Desktop und Mobile nur bei geschätzten 6 Stunden im Monat liegt (wozu Google sich nicht offiziell geäußert hat), bringt es Facebook allein mit der Desktop-Nutzung auf fast 7 Stunden im Monat.

 

Jede Minute, die die Nutzer bei Google+ verbringen, bedeutet also einen doppelten Gewinn für Google: sie wenden sich vom Gegner Facebook ab und stärken durch ihre Aktivitäten gleichzeitig die eigene Seite.

Screenshot von Communities
Die neuen Communities verbinden Google+ Nutzer

Der Benefit für den User

Wie in den Facebook-Gruppen, so finden sich jetzt auch in den Google+ Communities Leute, die nicht nur ähnliche Interessen, sondern auch Spaß an der Interaktion haben- und deshalb gerne verweilen.

 

Die Idee ist allerdings nicht neu: Bereits in den Anfangstagen des Webs, basierend auf der relativ einfachen Plattform Usenet und dann immer mehr angereichert, gab es grafisch sehr anspruchsvolle Interessengruppen, die etwa von Kirchengemeinden, Sportmannschaften oder Buchclubs frequentiert wurden. Yahoo Groups und Google Groups, die parallel zu den Communities weiter Bestand haben werden, gibt es seit 2001. Facebook und Microsoft bieten schon seit einigen Jahren Gruppenfunktionen an. Und auch auf Google+ gab es schon von Anfang an Zusammenschlüsse Gleichgesinnter, die sich über Themen wie Fotografie, Technik, Kochen oder Stricken austauschten.

 

Dateien, Fotos oder Kalender mit anderen Gruppenmitgliedern teilen sowie die Möglichkeit, eine Nachricht an alle Gruppenmitglieder zu schicken- auf diese Standardfunktionen beschränkten sich bisher alle großen Webportale.

 

Doch Google+ Communities bietet darüber hinaus noch andere innovative Tools an, mit denen man online seine Beziehungen vertiefen kann, wie z.B. die Video-Konferenz-Funktion „ Hangout“ und ein Veranstaltungskalender. +1 Bewertungen im Web können jetzt ebenfalls mit der Community geteilt werden- ein weiteres verbindendes und gruppenförderndes Element.

 

Wie funktionieren Communities?

Communities kann jeder erstellen, der ein Google+- Konto hat, wobei es– ähnlich wie bei Facebook- je nach Zielsetzung der Community mehrere Abstufungen der Privatsphäre gibt:

 

Privat sind geschlossene Communities die in der Suche nicht auftauchen, für die Nutzung ist eine Einladung erforderlich.

 

Privat, aber sichtbar sind durchsuchbare Communities, deren Beiträge aber erst nach einer stattgegebenen Beitragsanfrage sichtbar werden.

 

Öffentlich, auf Antrag sind Communities, die zwar sichtbar sind, Beiträge aber erst nach Freischaltung durch einen Moderator erlauben.

 

Völlig öffentliche Communities schließlich sind für jeden sichtbar und können von allen genutzt werden.

 

Handelt es sich um umfangreichere Themen, so sind auch mehrere Communities zum gleichen Thema oder eine Differenzierung in Rubriken im Rahmen einer Community möglich, was eine vielschichtige und interessante Kommunikation ermöglicht.

 

Fazit:

Ein empfehlenswertes Tool, das frischen Wind in die Social Media-Landschaft bringt und den großen Vorteil hat, dass es von allen Web 2.0 Features profitiert. Die in den Google+ Communities geteilten Inhalte, soweit nicht als privat gekennzeichnet, befinden sich im Netz und sind via Google Suchfunktion abrufbar. Vor allem bei Fachdiskussionen ist dies ein großer Vorteil gegenüber den Facebook-Gruppen, die ihre Diskussionen weitgehend von der Öffentlichkeit abgeschottet führen. Nimmt man noch Hangouts und Veranstaltungskalender dazu, so ist Google+ Communities eine Plattform, die nicht nur privat leicht zu nutzen ist, sondern auch mit Gewinn im Social Business eingesetzt werden kann und dem Konkurrenten Facebook mächtig Druck machen wird.

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0