LinkedIn holt auf, XING immer noch Spitze in DACH

XING und LinkedIn: Zwei Business-Netzwerke im Vergleich

Wettlauf auf dem deutschen Markt

Die Nachricht schlug ein wie eine Bombe: als der Burda-Verlag,  bisher größter Teilaktionär von XING, im Oktober 2012 verkündete, das Geschäftsnetzwerk vollständig übernehmen zu wollen, interessierte sich plötzlich auch eine breitere Öffentlichkeit für das Unternehmen. Doch nicht nur die Übernahmepläne der Münchner beschäftigen derzeit die XING-Gründer, sondern auch die aggressive Marktstrategie ihres mächtigen US-Konkurrenten LinkedIn.

 

Der Wettkampf zwischen beiden Business-Netzwerken läuft auf Hochtouren. Im DACH-Bereich ist XING eindeutig der Branchenprimus, weltweit dominiert LinkedIn.

 

Im deutschsprachigen Raum wird mit einem Verdrängungswettbewerb gerechnet, viele gehen davon aus, dass eines der beiden Netzwerke sich durchsetzen wird.

Doch wer ist die Nummer 1?

 

Fakten und Zahlen im Vergleich

XING-Profil Michael Zachrau
sehr übersichtlich, aber ein wenig langweilig, XING-Profile wirken eher statisch

Die Konzeption beider Netzwerke ist ähnlich: sie dienen Fach- und Führungskräften als Plattform bei der Pflege und beim Knüpfen von Geschäftskontakten, wobei LinkedIn seinen Fokus mehr auf Führungskräfte legt als sein deutscher Wettbewerber.

 

Beide Unternehmen wurden 2003 gegründet. XING, damals unter dem Namen OpenBC gegründet, stand von Beginn an natürlich in deutscher Sprache zur Verfügung, während Linkedin erst im Februar 2009 mit einer deutschsprachigen Oberfläche ausgestattet wurde.

 

Bei XING sind weltweit 12,4 Mitglieder registriert, davon 5,9 Millionen aus dem DACH-Raum, was einem Zuwachs von 196.000 Mitgliedern (+ 16 %) im 3. Quartal 2012 entspricht. Gemessen an Seitenaufrufen hat Xing nach eigenen Angaben einen Marktanteil von 80 Prozent bei geschäftlichen Netzwerken. Besonders schnell entwickelte sich der mobile Bereich, der inzwischen für 30 Prozent des Traffics sorgt.

 

LinkedIn hingegen ist mit 187 Millionen Mitgliedern aus mehr als 200 Ländern und Regionen weltweit das größte Business-Netzwerk. Dies entspricht einer Verdoppelung der Mitgliederzahl gegenüber dem 3. Quartal 2010. 3 Millionen User stammen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, hier hat LinkedIn jedoch zur Aufholjagd angesetzt: So ist XING zwar noch in Deutschland und Österreich Marktführer, aber LinkedIn ist um sensationelle 47 % binnen eines Jahres gewachsen und XING musste seine Dominanz in der Schweiz bereits an seinen amerikanischen Konkurrenten abgeben.

 

Reichweite und Zielgruppen

Die erste Frage vor der Entscheidung für eine der beiden Plattformen ist erst einmal eine grundsätzliche: will ich meine beruflichen Kontakte eher in Europa oder im Ausland pflegen? 

 

Im internationalen Vergleich ist XING relativ unbedeutend, es bietet sich also in erster Linie für die Suche nach Geschäftspartnern, Arbeitgebern oder Mitarbeitern aus dem deutschsprachigen Raum an, während LinkedIn in den USA und wichtigen Auslandsmärkten Top ist. 

 

Und auch die Frage nach meiner Zielgruppe ist entscheidend: bewege ich mich im Umfeld von Banken und Konzernen, dann ist LinkedIn die richtige Plattform.  

Ein Beispiel: Siemens hat bei LinkedIn mehr Follower als alle DAX Konzerne zusammen auf XING.

Auf der Suche nach Freiberuflern und Freelancern hingegen ist die Trefferquote bei XING besser.

 

Unser Tipp: es kann nicht schaden, beide Profile zu pflegen, wenn man auch Kontakt zu ausländischen Geschäftspartnern sucht oder bereits hat.

Funktionalität

LinkedIn-Profil Michael Zachrau
Anzeigen ähnlich wie Facebook, Personen, die ich vielleicht kenne - vieles ist überzeugender und näher an Facebook, als an Google+

Die Mitgliedschaft bei LinkedIn ist teurer als die bei XING, hat dafür jedoch in der Basisversion mehr Funktionen der Konkurrent, wo erst ein Premium-Account in manchen Bereichen einen wirklichen Benefit bringt, zum Bespiel bei der Unternehmensdarstellung: hier bietet LinkedIn mehr Features zum Nulltarif. Wertvoll und bei XING gar nicht zu finden: Multilinguale Darstellung, Selektierte Unternehmensnachrichten, Produktdarstellungen und Empfehlungen. Selbst Videos können hier kostenlos eingebunden werden- das bietet XING nur in der Premium-Variante für stolze 1.842 Euro brutto jährlich.

 

Und auch bei der Mitarbeiterverwaltung bietet XING nur wenige Funktionen: wer hier direkt nach Mitarbeitern eines Unternehmens sucht, den beruflichen Werdegang ehemaliger Mitarbeiter verfolgen möchte, Mitarbeiterstatistiken benötigt, sein eigenes Alumni auf dem Unternehmensprofil anzeigen möchte, der sucht vergeblich.

 

Besonders schwer tut sich jedoch XING momentan mit seiner Basisfunktion des Networkings, das es neben dem dynamischeren Gegner eher schwerfällig wirken lässt: Die Aktivitäten in den Gruppen laufen auf Sparflamme, statt inhaltlichem Input geht es oft um Werbung für fragwürdige ganz-schnell-erfolgreich-Modelle, dubiose Produkte oder unprofessionelle Events.  

 

Die inhaltliche Auseinandersetzung:  Diskussionen, Anregungen, Fragen haben sich anscheinend aus den Gruppen herausgelöst und tauchen jetzt zunehmend an anderer Stelle auf anderen Websites im Web auf.

So muss sich XING davor hüten, dasselbe Schicksal wie das ehemalige deutsche Vorzeigenetzwerk StudiVZ zu erleiden, das auch durch Strategiewechsel und Austausch von Führungskräften letztlich nicht abwenden konnte, dass die Nutzer scharenweise zum US-Konkurrenten Facebook abwanderten. 

XING vor neuen Herausforderungen

LinkedIn wird alles daran setzen, den deutschen Markt und damit Europas größte Volkswirtschaft zu knacken. Von der Funktionsvielfalt ist LinkedIn dem deutschen Rivalen etwa um 2 Jahre voraus, aufgrund der gleichen Zielgruppe der Netzwerke und des Expansionswunsches der Amerikaner ist kurzfristig mit weiteren Innovationen zu rechnen. Durch kostenlose Features und attraktivere internationale Verknüpfungen ist es bisher noch deutlich besser aufgestellt als XING.

 

Die Hamburger werden sich einiges einfallen lassen müssen, um den Angreifern aus Mountain View, California, Paroli zu bieten. Ein interessanter Schritt in die richtige Richtung ist auf jeden Fall die seit Dezember 2012 bestehende Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit (BA), um die Stellensuche zu vereinfachen- dem Beispiel von Facebook und LinkedIn folgend, die sich bereits erfolgreich auf dem Recruiting-Markt etabliert haben.

 

Auf die zukünftige Unternehmensstrategie des Burda-Verlags im Hinblick auf XING darf man gespannt sein…

Zusätzliche interessante Fundstelle

Vergleich DAX-Konzerne LinkedIn vs. XING

Eine sehr interessante quantitative Betrachtung finden wir für 2010-2011 von Stefan Koss

Hier wird deutlich, dass die Anzahl von Mitarbeitern von DAX-Konzernen - wie Siemens und SAP - bei XING tendenziell abnimmt und bei LinkedIn zunimmt.

Kommentare: 1 (Diskussion geschlossen)
  • #1

    Stephan (Montag, 04 März 2013 08:56)

    Hallo,

    ich habe die aktuellen Zahlen mal aktualisiert. LinkedIn kommt dabei auf 3,3 Mio. in DACH und 216 Mio. weltweit.

    Details findest Du unter:

    http://linkedinsiders.wordpress.com/2013/03/03/linkedin-vs-xing-in-deutschland-2013/

    lG
    Stephan