Facebook vs. Google+ aus Sicht eines Facebook Heavy Users

Gastkommentar von Katharina Zachrau: Wie konnte Google+ das Social-Network-Duopol Twitter und Facebook in 2 Wochen uralt aussehen lassen?

Heute schon geshared, geliked, gepostet und kommentiert?

Spätestens durch den erfolgreichen Kinofilm „The Social Network“, der den Gründungsmythos von Facebook für ein Milliarden-Publikum bebilderte, wurde Facebook, als ideale Plattform für Selbstdarsteller und juvenile, überwiegend weibliche Internet-Junkies bekannt.

 

 

Katharina Zachrau
Katharina Zachrau

Ich, wie 500 Millionen (oder schon wieder mehr) andere, gehöre zu dieser Gruppe.

 

Nach jedem Urlaub, nein, nach jedem Wochenende werden meine Fotoalben aktualisiert und mein Status wechselt sowieso stündlich. Aktuell lautet er „Artikel schreiben bei Sonnenschein mit Kaffee im Garten :-)“ – der Smiley darf natürlich nicht fehlen, damit meine Laune auch unmissverständlich jedem meiner 500 Freunde zuteil wird. Man mag behaupten, dass 500 Freunde keine 500 „richtigen“ Freunde sein können, die man beispielsweise regelmäßig trifft, oder dass es 500 Facebook-Nutzer unmöglich interessieren kann, ob ich mich nun über die Sonne freue oder depressiv im Dunkeln sitze, aber nichtsdestotrotz erfahren sie am laufenden Band jedes noch so belanglose Detail meines Lebens.

 

Das Ende der kurzen Ära eines Social Network - Exhibitionismus

Google Plus allerdings macht diesem Exhibitionismus den Garaus, denn es bietet die Möglichkeit seine Kontakte in Kreise, „Circles“, einzuordnen, wodurch die Kontakte wie im richtigen Leben sauber voneinander getrennt sind. Wenn ich nun beispielsweise über die durchzechte Partynacht poste, möchte ich vermeiden, dass meine Familie, Verwandten oder Arbeitgeber über diesen Zustand erfahren. Ebenso sind Familienfotos für mich eine intime Angelegenheit, die nicht jeden meiner Freunde etwas angeht, denn es wäre mir viel zu anstrengend auf jedem dieser Photos optimal auszusehen. Genau das war für mich bislang jedoch das Hauptkriterium für die Facebook-Photos und Posts: ich möchte stets so optimal, schön und perfekt wie möglich wirken, da sie schließlich ein Stück der Öffentlichkeit erreichen. Google Plus entspannt mich nun enorm durch die Eingrenzung meiner Posts auf bestimmte Personengruppen und „profilieren“ kann ich mich schließlich immer noch!

Zwischen Neugierde und Privatsphäre

Schade ist natürlich nur, dass die Hauptaktivität aller (weiblichen) Facebook-Userinnen bei Google Plus erheblich erschwert wird. Ich spreche vom „stalken“ : interessante – bevorzugt männliche – Facebook-Nutzer werden täglich abgecheckt. Hat sich ihr Beziehungsstatus geändert? Was machen sie gerade? Es könnte bei Facebook kaum eine Aktivität mit höherem Spaßfaktor geben als das Stalken der Objekte meiner Wahl. Auf der anderen Seite verspüre ich ein Ziehen im Magen bei dem Gedanken, dass möglicherweise einer oder viele unter meinen Facebook-Freunden mich stalken könnte. Meine potentiellen Stalker füttere ich jedenfalls täglich mit neuem Schnüffelmaterial. Der gebotene Datenschutz und die neugewonnene Privatsphäre durch Google Plus ist auch aus diesem Blickfeld gesehen eine unglaubliche Errungenschaft! (>>Vorsicht vor Facebook!)

 

Löst Google Plus Facebook ab?

Momentan ist die Ausgestaltung des eigenen Profils auf Facebook in sehr hohem Maße möglich, was ich gut finde.

Es ist sicher interessant für die Freunde, zu erfahren, welche Menschen einen inspirieren, von wem das Lieblingszitat stammt oder welche Musik ich gerne höre. Noch schöner wäre es, die Sichtbarkeit dieses Profils auf bestimmte Personengruppen, die Circles, abzustimmen. Leider fehlen Google Plus noch ein paar kleine Tools der Profilausgestaltung, aber es befindet sich ja auch noch in der Testphase.

 

Wenn Google+ erst mal aus den Kinderschuhen (Beta-Phase) schlüpft, werden sicherlich nicht nur alle Vorzüge von Facebook übernommen, sondern diese gleichzeitig in verbesserter Form angeboten und dann ist es wohl nur eine Frage der Zeit bis meine 500 Facebook-Freunde in die Circles meines Google Plus-Profils eingeteilt werden können.

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